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Wieso ditt denn? Wollt wohl die Zeche prellen watt? Könnta vajessn! Die Fahrt iss nimma jeschennkt! Ett jibbt nüscht jeschennkt! Watt? Ach so, watt ick mir zum Thema „Jeschennkt“ zusammenreime? Ditt Thema iss jeschennkt. Könnwa nich üba Politika, Haaaz 4, Mindestlohn, Umvateilung, Präkariat, Jeneration Praktikum redn! Üba die Banditn der Stromkonzerne, Klimahüsterie, Spritpreise, die Chinesn und all den Globalisierungsmist? Darüba ditt die Wirtschaft mehr und mehr die Kursbestimmung übanimmt. Sicha, in eenem Süstem wie dem wo sich unsre Jesellschaft heraus jeneriert iss erfolgreichet Bissness Grundlage von Wohlstand. Dennoch, die zunehmnde Ökonomisierung des jesellschaftlichn Lebensumfeldes ist doch wohl betrüblich oder watt! Erst unsere westlichen Gesellschaften, schrieb Marcel Mauss, haben den Menschen zu einem ›ökonomischen Tier‹ gemacht, fast schon zu einer Rechenmaschine. Watt? Juut, ick will beim jestellten Thema bleim’. Watt? Achso, hochdeutsch. Also das Synonymwörterbuch Deutscher Wortschatz Uni Leipzig denkt bei „geschenkt“ an bewilligt, gratis, kostenlos, umsonst, unentgeltlich, gebührenfrei. Hierzu meint ein Freddy Quinn Biograph: Das Leben hat ihm nichts geschenkt. Nichts ist ihm in den Schoß gefallen. Das Leo-Onlinewörterbuch Forum listet unter “geschenkt”: To the Hell with it! Ich denke bei „geschenkt“ natürlich auch an beides, an das „Geschenk geben“ und an „Sei’s drum“ oder „Scheiß drauf, sollen sie doch machen“ bzw. „Geb ich nicht (mehr) viel drauf“ Ersteres soll hier betrachtet und der Bedeutung durch ein paar Zitate näher gekommen werden. Frau Helga Burgstahler definiert pointiert wissenschaftlich: „Geschenke sind Beziehungszeichen, um signifikanten Anderen mitzuteilen, dass sie in der Tat signifikant sind.“ Thomas Assheuer zufolge ist es der ganze „Stolz kapitalistischer Gesellschaften, dass sie das Ritual von Gabe und Gegengabe, von Schenken und Nehmen durch die unsichtbare Hand des Marktes ersetzt oder in die private Sphäre abgedrängt haben, in den Hausgebrauch. Aber am Anfang des Sozialen stand nicht das Geld, sondern die Gabe. Ohne das fein gesponnene, unendlich raffinierte Gewebe aus Geben und Nehmen, Gabe und Gegengabe wäre das, was wir Gesellschaft nennen, niemals zustande gekommen.“ Marcel Mauss, ebenfalls in diese Richtung denkend, sah wie viel kulturelle Klugheit und soziale Fantasie Stammesgesellschaften aufgebracht haben, um Feindschaft und Gewalt durch den „anscheinend selbstlosen und spontanen, aber dennoch zwanghaften und eigennützigen“ Austausch von Gaben und „unproduktiver Verschwendung“ einzuhegen. Die Ökonomie des Schenkens und Empfangens war der „Fels“, auf dem diese frühen Gesellschaften ruhten. Mit einer wunderbaren sozialen Lüge, „haben es die Clans, Stämme und Völker gelernt, einander gegenüberzutreten, ohne sich gegenseitig umzubringen, und zu geben, ohne sich anderen zu opfern. Dies ist eines der Geheimnisse ihrer Weisheit und ihrer Solidarität. Es gibt keine andere, keine andere Ökonomie und keine andere gesellschaftliche Praxis als diese.“ |
Helga Burgstahler wieder handfester: „Durch das rituelle Schenkverhalten kann das individualisierte Geschenk Erinnerungen organisieren, Gefühle materialisieren und Beziehungszeichen setzen.“ Thomas Assheuer beobachtet, wieder die Systemfrage stellend, dass in der angelsächsischen Forschung das Nachdenken über „Schenken und Nehmen“ eine erstaunliche Konjunktur hat, und es dafür vielleicht einen handfesten außerwissenschaftlichen Grund gibt. „Selbst der tapferste Verteidiger der Marktwirtschaft muss inzwischen kleinlaut eingestehen, dass die Verfolgung egoistischer Interessen nicht automatisch dem Gemeinwohl zugute kommt. Die Erinnerung an zweckfreie Anerkennung, an Generosität und Freigebigkeit, an die „edlen Formen“ von Verschwendung und Gabe spielen für die Selbstdeutung einer Gesellschaft eine wichtige Rolle, denn sie schärft das Bewusstsein für die Grenzen der Ökonomisierung.“ Frau Burgstahler wie gewohnt knapp: „Durch Personalisierung und Symbolisierung der Ware werden aus Massengütern Geschenke. Selbst Güter mit geringem Gebrauchswert erlangen durch die Form des Schenkens eine große psychologische, ästhetische oder sinnliche Bedeutung.“ Und weiter: „Der sukzessive Spannungsaufbau während des Auspackens und das plötzliche Abbrechen macht Schenken zum hochgeschätzten Ritual, das den Alltagsroutinen entgegenwirkt.“ Bitte, fahren sie fort Helga: „Die Wertschätzung für die beschenkte Person liegt besonders im Sich-Hineinversetzen und der Zeit für Suche und Auswahl des Geschenks. Darin spiegeln sich auch der Geschmack und der Charakter des Gebers. Das Schenken richtet sich nicht allein auf den Anderen, sondern dient zugleich der Selbstdarstellung.“ Adorno, sach du mal: „Das private Schenken ist auf eine soziale Funktion heruntergekommen, die man mit widerwilliger Vernunft, unter sorgfältiger Innerhaltung des ausgesetzten Budgets, skeptische Abschätzung des anderen und mit möglichst geringer Anstrengung ausführt. Wirkliches Schenken hatte sein Glück in der Imagination des Glücks des Beschenkten. (Es heißt wählen, Zeit aufwenden, auf seinem Weg gehen, den anderen als Subjekt denken. Eben Dazu ist kaum einer fähig.)“ Vielleicht ist es an der Zeit für eine Einordnung des Gehörten durch Friedrich Rost: „Die eindimensionalen Erklärungsansätze zum Schenken versagen angesichts der Mannigfaltigkeit der Institutionen und Riten des Feierns. Zunächst finden wir hier wieder das symbolische Kapital Ansehen, das schon bei der Untersuchung des archaischen und des wissenschaftlichen Geschenkverkehrs als wichtigste Gegengabe identifiziert.“ Daraufhin kann es sich Frau Burgstahler nicht verkneifen anzumerken: „Schenken wurzelt in den Worten EINSCHENKEN, ZU TRINKEN GEBEN. Es war Brauch, dem wegmüden Gast einen Trunk zu reichen, nicht nur zu seiner Labung, sondern zugleich als eine Ehrung. Das gegenseitige Zutrinken, das Kreisenlassen des Bechers und beim Abschied die Überlassung des Bechers zeigt eine alte Form der Ehrung und der Ehrengabe.“ |
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Ich darf noch mal das Synonymwörterbuch bemühen. Synonyme sind Aufmerksamkeit, Dedikation, Gabe, Mitbringsel, Präsent, Schenkung, Spende, Widmung aber auch Belohnung, Gastgeschenk, Köder, Lockmittel, Mitbringsel, Obolus, Reizmittel, Stiftung, Umsonstleistung, Zuwendung. Köder? Ich lasse die Post an Herrn H. sen. sprechen: GARANTIERTE GEWINN-GELEGENHEIT BESTÄTIGUNG, Bez.: Herr H. Als General Manager der Nationalen Prämienzentrale freut es mich ganz besonders, Ihnen diese Angelegenheit zu unterbreiten… Gesamtbetrag --***€ 352.600,00--// € Dreihundertzweiundfünfzigtausendsechshundert Euro!*** Bestätigen Sie sofort telefonisch Ihre Gewinnabsicht 0900 238 389 (1,99 €/min). NPBZ Nationale Prämienberatungsstelle Zu Händen von: Mr. H. Die Abteilung für den Verfahrensvollzug hat entsprechend den Bedingungen und Vereinbarungen Ihre mögliche Berechtigung bestätigt. Garantierter Gewinn ____€950.000,00___ oder mehr. Hiermit genehmige ich die sofortige Übersendung der Gewinnabstimmungsunterlagen auf sicherem Postweg hinsichtlich der **€959.000,00** an die … Adresse. MEINE NOMINALE REGISTRIERUNGS- UND ÜBERTRAGUNGSGEBÜHR VON _€20,00_ IST BEIGEFÜGT. AWARDS COMPILATION DIVISON Herr H., es befindet sich eine ROTE WARNMARKIERUNG auf Ihrem Konto. Dies ist eine ernsthafte Angelegenheit, des Sie sich sofort annehmen sollten, bevor die Verlustabläufe für Ihre Akte der Blue Series VI eingeleitet werden. SIE RISKIEREN MÖGLICHERWEISE, IHREN ERSTPLATZIERTENSTATUS UND DIE BESTÄTIGTE EIGNUNG FÜR DEN PREIS IM WERT VON 7.470,00 € ZU VERLIEREN. Wenn Sie alle drei Extra-Cash-Fragen beantworten, werden zusätzliche 3.750,00 € zum Hauptpreis addiert für ein speziell reduzierte Gebühr von nur 40 €. International Award Payment Center Sehr geehrter Herr H., die Mitglieder des Preisausschusses machen sich große Sorgen. Ein Entscheidungsspiel I auf den Namen ***H.*** wurde noch NICHT in unserer Hauptgeschäftsstelle eingereicht und offiziell abgelegt. Dies hat unsere höchste Aufmerksamkeit erweckt. Dieses Schreiben sei eine offizielle Erinnerung an H. *Halter des Höchstpunktestandes* Colossal Cash Preiswettbewerb… Hauptpreis **14.525,00 €** Legen Sie dem Antwortschreiben die Berechtigungsgebühr von 15,00 € bei. COLOSSAL CASH Herr H., stellen Sie sich vor, ich befinde mich gerade am Beginn meiner zweiwöchigen Gewinnauszahlungsreise quer durch Deutschland. Mein Gewinnauszahlungskoffer ist prall gefüllt. Die W.strasse liegt ideal in der festgesetzten Auszahlungsroute für den 5.12.2007. Was für ein Riesenglück! Bei der 15.000,00 Euro Gewinnermittlung am 4.12. sind Sie garantiert dabei! Sagen Sie mir jetzt vorsorglich Bescheid: Ja, |
selbstverständlich wäre ich am 5.12.2007 um 14 Uhr bei Gewinn meinerseits zu Hause.“ Die Eilnummer hierzu lautet: 0900/300181607354 (€ 2,99/Min.) Ich warte im Auto auf Ihren Sofortanruf! Kommen Sie, machen Sie schnell! Ich muss meinen Terminplan fixieren. Sie können sich ja gar nicht vorstellen was das für ein Stress ist! Ich hetze von einem Auszahlungstermin zum anderen, aber gerade bei Ihnen möchte ich bei Gewinn Ihrerseits keinesfalls zu spät kommen! Sie liegen mir ganz besonders am Herzen! Ihr Hubert Einfalt Herr H., warum denken Sie, Sie bekommen soviel Geld für so wenig oder gar keine Gegenleistung? „Das weiß ich nicht. Hauptsache ich kriege das Geld. Das sind interessante Summen.“ Im Monat Oktober hatte Herr H. Telefonkosten von 300 € und verschickte Briefe mit einem Bargeldinhalt von insgesamt mehreren Hundert Euro. Das BGB kennt im § 516 (1) den Begriff der Schenkung: Eine Zuwendung, durch die jemand aus seinem Vermögen einen anderen bereichert, ist Schenkung, wenn beide Teile darüber einig sind, dass die Zuwendung unentgeltlich erfolgt. Da Weihnachten schon im öffentlichen und bald auch im privaten Raum steht, soll jenes Ereignis noch expliziter angesprochen sein. Was mir zu Weihnachten im öffentlichen Raum einfällt? Kommerzialisierung, Banalisierung, Totalisierung, Omnipräsenz, Pervertierung, Entseeltheit, 1000-fache Wiederholung = Geschenkt in 2. Bedeutung -> es nervt. Andererseits Gerüche, Lichter, Festlichkeit, Erkennungsmusik, Ritual, Kinderstaunen, Weihnachtsmarkt, Weihnachtsgebäck, Glühwein, Kostümierung, Dekoration = Geschenkt in 1. Bedeutung -> es heimelt. Weihnachten im privaten Raum beleuchtet Sutter implizit. Nach dessen Weihnachtslexikon ist ein Geschenk, die hauptsächlich zur Freude ohne Entgelt gegebene Sache. Das Schenken kann, wenn es in den Mittelpunkt des Weihnachtsfestes rückt, in einen Konflikt zum ideellen Gehalt des Anlasses treten (der da ursprünglich religiös war, heutzutage aber generell also auch säkular eine Zeit gemeinschaftlichen Besinnens darstellt, Anm. des Fahrers). Der Schenkende bewegt sich bei der Wahl eines angemessenen Geschenks auf dem schmalen Grat zwischen Enttäuschung und Beschämung des Beschenkten (zusätzlich kompliziert wird das Schenken dadurch, dass (fast) jedes Geschenk einen subjektiven, ideellen und einen objektiven, materiellen Wert hat. Eine Problematik, die das lästige Abknibbeln der Preisschildchen von den Geschenken immer wieder in Erinnerung ruft). Jacques Derrida war es, der in „Falschgeld“ die unauflöslichen Widersprüche der Gabe ausbuchstabiert und seine Leser mit der Auskunft beunruhigt hat, dass es aus den Aporien des Schenkens kein Entkommen gebe. Damit die Gabe eine reine Gabe bleibe, dürfe sie „letztlich als Gabe nicht erscheinen: weder dem Gabenempfänger noch dem Geber“. |
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„Mag das Schenken von Lebensmittel heute als profan gelten, so liegt darin ein urtümliches, soziales Handeln: MITTEL DES LEBENS verschenken.“ (Helga Burgstahler) Im Vergleich zu Sachgütern, Geld und Dienstleistungen sind immaterielle Geschenke wohl die am richtigsten sich anfühlende Art der Zuwendung: Mami, was möchtest du geschenkt bekommen? „Ein liebes Kind.“ Aber auch Kritik kann ein "Geschenk" sein, eine Möglichkeit, um sich zu positiv zu entwickeln. Sie sollten sich nicht als Person abgelehnt ("ungeliebt") |
fühlen und Kritik als Attacke betrachten, sondern als Geste der Achtung, als Ausdruck von Respekt und Zuneigung. (Dagmar Wilde) Zum unwilligen und kulminierten Organisieren von Weihnachtsgeschenken ist terminunabhängiges Schenken, wenn einem etwas in den Sinn oder unter Augen kommt, eine Alternative. Weihnachten unter Erwachsenen, vom Schenkzwang befreit, als „gemütliche Runde“ zu begreifen, u.U. gar mit Jahresendreflexionen zum Glas Wein. Oder Tee. Freundschaft Gemeinschaft! Herr H. jun.
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